Wörter für die Welt da draußen #5: Eigallerte

In einer Wagen­rin­ne auf einem alten Auwald­weg nahe Jet­ts­dorf sam­mel­te sich trü­bes Regen­was­ser. Dar­in trie­ben knapp unter der Ober­flä­che zwei schil­lern­de Laich­klum­pen, umklebt von froschi­gen Eigal­ler­ten, die gleich einer ver­blass­ten Göt­ter­spei­se oder einer was­ser­far­be­nen Trau­ben­ris­pe vom kom­men­den Leben eini­ger Spring­frö­sche kündeten.

Erstarrt schweb­te die Zukunft unter die­ser durch­sich­ti­gen Schicht, die alles schütz­te und sich nach und nach ver­flüs­sig­te, sodass die dump­fe Unwirk­lich­keit der Pfüt­ze mög­lichst sach­te über die ums Über­le­ben kämp­fen­den Kaul­quap­pen fiel.

Ganz erstaun­lich wie die­ser wabern­den Flüs­sig­keit ein Kör­per ent­schlüp­fen kann. Man glaubt sich fast zu erin­nern an die Zeit, in der wir alle im Schlamm des Mee­res dahin­siech­ten, nichts sehend, aber jede Regung spü­rend und bereit irgend­wann, in einer unvor­stell­ba­ren Zeit, das Was­ser zu verlassen.

Iva­na Miloš, Jajaš­ca žablja (2021), water­co­lor on paper, 18 x 26 cm