Wörter für die Welt da draußen #7 Weißfleck-Widderchen

Wie auf Gras­hal­men schla­fen­de Zebras, müde vom Tag und leicht beschwipst vom Hei­de­kraut, so erschie­nen mir tau­sen­de frisch­ge­schlüpf­te Bären­spin­ner bei ihrer Rast auf einem Wald­weg kurz bevor die Nacht begann. Ich durch­wan­der­te die gehei­me Schlaf­kam­mer der Weiß­fleck-Wid­der­chen nahe Dobr­inj auf Krk. Es roch nach Gebor­gen­heit und Majo­ran und weit ent­fernt hör­te ich die letz­ten Wel­len des Tages.

Wenn die­se Schmet­ter­lin­ge schla­fen, spre­chen sie, aber nie­mand kann sie hören. Sie erzäh­len vom Wind, der sie beherrscht. Sie berich­ten von der Erde, aus der sie stam­men. Sie beschwö­ren das Feu­er, das sie ent­fa­chen. Sie beach­te­ten mich nicht. Ich bin ein Schat­ten auf ihren Füh­lern. Alles, was sie such­ten, war die sanft wie­gen­de Rau­heit der Grä­ser, an die sie sich klam­mer­ten, wie Matro­sen an den Mast im Sturm.

War­um müsst ihr so schön sein, wenn die Welt um euch ver­brennt? Eure wei­ße Fle­cken, euer gelb­ge­rin­gel­tes Flat­tern, eure weiß­ge­spitz­ten Anten­nen; ich weiß, dass ihr mich nur täu­schen wollt. Ich will euch glau­ben. Aber sagt mir doch, war­um ver­bringt ihr eure Tage in der Son­ne, wäh­rend wir uns ein­sper­ren mit Schlüs­seln und Verpflichtungen?

Iva­na Miloš, Bje­lop­jega­vi ovnić (2021), water­co­lor on paper, 20×20 cm