Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Das blaue T (Etalagen I)

Zen­tral gele­gen, eigent­lich mit­ten in der Stadt, an einer Kreu­zung, die man täg­lich pas­siert. Schon am frü­hen Mor­gen blei­ben Men­schen für zwei Augen­bli­cke ste­hen, als wür­den sie sich spon­tan an etwas erin­nern und dann wie­der ver­ges­sen. Also ist es doch eher ein Moment der Gedan­ken­ver­lo­ren­heit. Das pas­siert in der Regel zufäl­lig, hier aber mit Vor­satz und Bedacht. Bis in die Nacht erleuch­ten die­se Fens­ter den Geh­weg davor, abseits davon bleibt es trist und zap­pen­dus­ter. Erstaun­lich, wie solch ein dürf­ti­ger Ort mit Behag­lich­keit erfüllt wer­den kann. Von den Wän­den schau­en bun­te Vögel, haupt­säch­lich Mei­sen, aus stil­lo­sen Rah­men her­ab. Dane­ben ein Spie­gel, der im Vor­bei­ge­hen, gepaart mit einem vor­über­ge­hen­den Schau­er, erst das eige­ne müde Gesicht gebiert, dann die der ande­ren. Manch­mal glaubt man aus dem Augen­win­kel jemand neben sich ste­hen zu haben, nur um dann doch dem Trug­bild der Refle­xi­on auf­zu­lau­fen. Im Vor­der­grund ste­hen die vir­tu­os gefer­tig­ten Mura­no-Glas­ar­bei­ten, unzäh­li­ge tul­pen­för­mi­ge Vasen und immer wie­der aus­la­den­de Aschen­be­cher. Vis-a-vis soll eine Aus­stel­lung mit noch aus­schwei­fen­de­ren For­men statt­fin­den, ver­rät ein Pla­kat. Im zwei­ten Fens­ter tum­meln sich noch mehr Vasen, viel klei­ner und aus Kera­mik. Nur ein Büschel Thy­mi­an wür­de dar­in mög­li­cher­wei­se Platz fin­den. Links, auf­ge­reih­te Por­zel­lan­fi­gür­chen in drei Stock­wer­ken. Zahl­lo­se Schna­bel­tie­re, ein umschlun­gen tan­zen­des Paar und wie­der ein Aschen­be­cher, den eine ein­ge­brann­te Salz­bur­ger Stadt­an­sicht ziert. Asche auf Salz­burg, das muss es sein. Im All­ge­mei­nen erschei­nen die Din­ge immer win­zi­ger zu wer­den, je län­ger man mit ihnen Zeit ver­bringt. Das drit­te und letz­te Fens­ter, des­sen Beleuch­tung erstaun­li­cher­wei­se gegen­über den ande­ren zu wün­schen übrig­lässt, birgt reich­lich Schmuck, vor allem Rin­ge aus abge­nutz­tem Gold und Sil­ber mit fun­keln­den, aber wohl bil­li­gen Stei­nen, die sich an sam­te­ne Hand­at­trap­pen schmie­gen. Hoch oben in der Ecke hän­gend, fällt ein blau­er Buch­sta­be auf. T, wie Tafel­spitz, Theodo­ra, Tast­sinn, Tra­gö­die, Tod, Tri­an­gel. Immer tie­fer ver­sun­ken, spa­ziert plötz­lich ein hell sum­men­der Herr mit eili­gem Schritt vor­bei und ich wun­de­re mich, ob er wirk­lich so neu­gie­rig wie dreist frag­te: »Etwas gefun­den?«. Tat­säch­lich, sub­til ver­steckt eine gerahm­te Land­kar­te der pol­nisch-slo­wa­ki­schen Hohen Tatra aus dem Jahr 1814. Lei­der bis über die Fei­er­ta­ge geschlossen.