Die Leichtigkeit eines Mauerseglers im kindlichen Lächeln von Witold Gombrowicz und Tadej Pogačar

In sei­nem viel­zi­tier­ten, groß­teils im argen­ti­ni­schen Exil geschrie­be­nen Tage­buch ver­weist der für gewöhn­lich gegen die Bür­ger­lich­keit und Unter­drü­ckung des Ein­zel­nen spru­deln­de Witold Gom­bro­wicz mehr­fach auf den unab­ding­ba­ren Wert der Leich­tig­keit für die Kunst. Sein Schrei­ben rich­te sich gegen die selbst­auf­er­leg­te Schwe­re, er wol­le befrei­en, Flü­gel ver­lei­hen, abhe­ben mit jedem Satz. Es gehe dar­um, die Din­ge leicht aus­se­hen zu las­sen. Bei­na­he lässt sich der Schrift­stel­ler dazu hin­rei­ßen, die Leich­tig­keit als Defi­ni­ti­on für die Kunst per se durch­ge­hen zu las­sen; eine Künst­le­rin sei jemand, die der Schwe­re des Lebens ihr Gewicht nimmt.

Wie so oft hat Gom­bro­wicz damit einen fort­wäh­rend wun­den Punkt in der Wahr­neh­mung von Kunst benannt, denn wenn man die unsicht­ba­re Wer­te­ska­la der Kunst­re­zep­ti­on heu­te betrach­tet, ent­deckt man vie­le vehe­ment ver­tei­dig­te Begrif­fe und Über­zeu­gun­gen, von der Leich­tig­keit aber spricht kaum wer, höchs­tens noch in der Musik, die Gom­bro­wicz wohl auch des­halb über alles ande­re stell­te. Da sind die Ver­ve, der Schwung, der sich ein­stel­len­de Welt­ver­lust nicht zu ver­ach­ten. Anders­wo ist sie bes­ten­falls ange­neh­mes Neben­pro­dukt, aber bie­tet noch häu­fi­ger Anlass zur Kri­tik; etwas wäre zu leicht, wür­de nicht blei­ben, son­dern weg­flie­gen wie eine Feder.

Treibt man sich auf hie­si­gen oder ander­wei­ti­gen Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen her­um oder öff­net gar ein Buch (mutig!), merkt man schnell, dass mit der Leich­tig­keit auch das befrei­te Lachen, die Aus­ge­las­sen­heit, die Irra­tio­na­li­tät in eine skep­tisch beäug­te Nische gestellt wird oder schlicht nicht exis­tiert. Wenn im Deut­schen jemand wagt, nach dem A ein C zu suchen, wird er oder sie ver­bannt in die Welt der Fehl­ge­lei­te­ten, bes­ten­falls Schrul­li­gen; die Prei­se, die Aner­ken­nung und das geheu­chel­te Erstau­nen wer­den für die Nach­voll­zieh­ba­ren, die mora­li­schen Erschüt­te­rer, die Erklä­re­rin­nen auf­ge­ho­ben. Die Welt bie­tet schein­bar kei­nen Anlass, um leicht zu sein. Wer leicht ist, macht sich des Vul­gä­ren, des Sinn­be­frei­ten, des Pein­li­chen ver­däch­tig. Dass ein Kunst­werk (und ein Mensch, so viel ist sicher) aber atmen muss, dar­über herrscht Einig­keit. Wenn das nicht der Fall ist, spricht man von Ver­kramp­fung und feh­len­dem Rhyth­mus. Es geht in der all­ge­mei­nen, der bestim­men­den Wahr­neh­mung um die rich­ti­ge Dosie­rung. Nur wenn alle Zuta­ten so ange­rührt wer­den, dass sie nicht mehr stö­ren, ist man zufrie­den, dann ver­daut man die def­ti­ge Mahl­zeit, als wäre sie leicht gewesen.

Aber man kann sich der Leich­tig­keit auch von der ande­ren Sei­te nähern. Viel­leicht, unk­te Pedro Cos­ta kürz­lich, sei­en sei­ne Fil­me zu ange­strengt. Es gelin­ge ihm nicht, die in den Film geflos­se­ne Arbeit zu ver­ste­cken. Die Bil­der zei­gen, dass sie nicht leicht gefal­len sind, weder ihm, noch den Dar­stel­lern, noch der Wirk­lich­keit, der sie ent­stam­men. Das ist dann tat­säch­lich das Gegen­teil von Fil­me­ma­chern wie Ernst Lubit­sch oder Howard Hawks, die Cos­ta bewun­dert. Die­se Selbst­zwei­fel ehren ihn, aber gera­de sein Bei­spiel zeigt, dass die Schwe­re auch ein will­kom­me­ner Gegen­pol zur herr­schen­den Will­kür und Bana­li­tät, zum im Nichts her­um­schwir­ren­den Aller­lei des in sei­nem Fall zeit­ge­nös­si­schen Kinos ist. Damit ist ein etwas leicht­sin­ni­ger Umgang mit dem Medi­um gemeint, wenn bei­spiels­wei­se Bil­der wich­ti­ger wer­den als das, was sie zei­gen. Oder wenn jedes Bild so ver­än­dert wer­den kann, wie man es braucht, auch Jah­re nach dem eigent­li­chen Dreh. 

Selbst­ver­ständ­lich ist das nicht nur im Kino so. Das gan­ze Cyber­space wird ohne­hin mit einer gewis­sen Leich­tig­keit des Seins in Ver­bin­dung gebracht, kör­per­lo­ses Schwe­ben, nicht mehr spü­ren, dass man über­haupt lebt. Man rich­tet es sich eben, wie man es braucht.

Leich­tig­keit wird dar­über hin­aus dem Süden zuge­schrie­ben, es ist eines jener schreck­li­chen Urlaubs­ver­spre­chen. Der Nor­den möch­te sich eine Leich­tig­keit gön­nen, leben möch­te er sie nicht. Die­se Leich­tig­keit ist eher lebens­fer­ne Sorg­lo­sig­keit, nichts was wirk­lich wirkt, was es tat­säch­lich gibt. Es ist nicht leicht mit der Leich­tig­keit. Die einen bekla­gen die feh­len­de Ernst­haf­tig­keit, die ande­ren jam­mern über die all­ge­gen­wär­ti­ge Humor­be­freit­heit. Fast bekommt man das Gefühl, die Leich­tig­keit wäre ein poli­ti­scher Begriff, ihre Abwe­sen­heit Aus­druck gesell­schaft­li­cher Ver­stei­fung, ihre Anwe­sen­heit Beweis für die Ver­ro­hung. Aber das ist äußerst kurz gedacht, sie war immer da und nicht da, das ist ihr Wesen, sie ist ein nur gefühl­tes Gewicht, eine sich vor­ge­stell­te Rela­ti­on zwi­schen der Welt und jenen, die in ihr wandeln.

Die Leich­tig­keit aber, die Gom­bro­wicz meint, ist noch­mal eine ande­re. Sie hängt an einer womög­lich nur ein­ge­bil­de­ten Jugend­lich­keit, ja Kind­lich­keit, sie ist der von den Erwach­se­nen ver­ges­se­ne und im Ver­ges­sen bereits bedau­er­te Aus­druck einer abso­lu­ten Kon­se­quenz­lo­sig­keit. In ihr ist der gegen­wär­ti­ge Tag der letz­te, der Tod kei­ne Mög­lich­keit und die Ver­gan­gen­heit ein unbe­stimmt in den Jetzt­mo­ment lau­fen­des Gemisch aus Erfah­run­gen. Die­se Leich­tig­keit ver­gisst, was war, sie lebt ohne Kon­junk­tiv. Sie erlaubt sich das Aus­bü­xen aus Vor­ge­zeich­ne­tem, dazu muss man nur die Roma­ne Gom­bro­wiczs lesen. Die Spra­che wehrt sich gegen die Sät­ze, in die sie gezwängt wird. Die Wor­te wol­len Lau­te wer­den. Die Zei­len wol­len springen. 

Man fin­det die­se Leich­tig­keit womög­lich auch in der äuße­ren Wirk­lich­keit, etwa wenn man dem ver­spiel­ten Flug der Mau­er­seg­ler folgt oder dem Krei­sen der Son­ne, das schon Dan­te mit einem kind­li­chen Spiel ver­glich. Für die­se Leich­tig­keit ist es uner­heb­lich, ob der betrach­te­te Vor­gang tat­säch­lich leicht fällt. Was zählt ist der Ein­druck, die Vor­stel­lung, aber auch die Fähig­keit, etwas leicht wir­ken zu las­sen. Für Tän­zer ist das essen­ti­ell, das ver­steht man sofort. Ihre Kunst ist es, die Leich­tig­keit in ein beweg­tes Kör­per­bild zu über­set­zen. Das gilt nicht für jeden Tanz, nur die Tän­zer, die wie Stei­ne zu Boden sin­ken, erin­nern letzt­lich auch dar­an, bewusst oder unbe­wusst, wie leicht man fällt. Aber wie ist es in der Lite­ra­tur, im Film, in der Male­rei? Das Gewicht der Welt, so der Ein­druck vie­ler­orts, darf in den alles abwie­gen­den Wor­ten nicht abhan­den­kom­men. Sonst bedeu­tet alles nichts mehr und ein Wind­stoß wür­de die Sät­ze durch­ein­an­der wür­feln. Das wäre kaum zu ver­dau­en. Wenn man es ernst meint, so scheint es, darf man es nicht leicht sagen.

Das Gewicht ist Schau­spiel einer unbe­stimm­ten, nie wirk­lich for­mu­lier­ten, aber herr­schen­den Ethik. Selbst­gei­ße­lung frei­en Den­kens. Auch die Leich­tig­keit ist Schau­spiel, aber die mit ihr ver­bun­de­nen Ges­ten und Hand­lun­gen sind schwe­rer zu erler­nen, vir­tuo­ser, erha­be­ner. Die Gedan­ken­pau­se, das wohl­über­leg­te Wort dage­gen, die­se Din­ge sol­len manch­mal mehr bedeu­ten, als das, was eigent­lich gesagt wird. Der Hin­weis dar­auf, dass die­ses oder jenes wich­tig sei, lässt uns ver­stum­men oder vor­sich­tig agie­ren. Es gibt einen fal­schen Respekt vor der Wich­tig­keit, die wie ein lächer­lich auto­ri­tä­rer Leh­rer auf­tritt und alle bestraft, die kichern müs­sen. Manch­mal mün­det das in qua­si-reli­giö­se Fröm­mig­keit, manch­mal in eine Hem­mung vor den eigent­li­chen Gefüh­len. Aber hat man nicht gera­de bei den beson­ders auto­ri­tä­ren Leh­rern beson­ders viel rebel­li­schen Unsinn im Kopf gehabt, aus dem die bes­ten Ideen ent­stan­den sind? Und gibt es im Leben nicht auch die leich­ten Tage, die herr­li­chen Stun­den, die flie­gen­den Minu­ten? Wie ihnen gerecht werden?

Manch­mal hilft ein Blick auf den Sport, der immer dann inter­es­sant wird, wenn er sich der Kunst annä­hert. Also immer dann, wenn etwas geschieht, das man als ästhe­tisch oder über die Modi des rei­nen Spiels hin­aus­ge­hend begrei­fen kann. Der Stra­ßen­rad­sport etwa wird die­ser Tage von Tadej Pogačar geprägt, einem stän­dig gut gelaun­ten, gegen jede ratio­na­le Logik des von Wis­sen­schaft und mathe­ma­ti­scher Metho­dik domi­nier­ten Sports anra­deln­den Zap­pel­phil­ipp. Einem Künst­ler, der zwar allen bis­he­ri­gen Erkennt­nis­sen fol­gend nach den Regeln fährt, der aber zugleich über den Regel­mä­ßig­kei­ten zu ste­hen scheint. Vor eini­gen Jah­ren, als der inzwi­schen zwei­ma­li­ge Sie­ger der Tour de France und Gewin­ner zahl­rei­cher Ein­ta­ges­ren­nen in unter­schied­lichs­ten Ter­rains die Sze­ne im Sturm erober­te, äußer­te sich einer sei­ner Trai­ner, der ihn schon wäh­rend sei­ner Jugend in Slo­we­ni­en beglei­te­te. Er sag­te, dass Pogačar nicht nur kör­per­lich son­dern vor allem psy­cho­lo­gisch die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für einen Leis­tungs­sport­ler besit­ze, die er je gese­hen hat­te. Was er damit mein­te, kann man inzwi­schen verstehen. 

Pogačar ist näm­lich ver­kör­per­te Leich­tig­keit. Auf sei­nem Gesicht nicht der Schmerz oder der Wil­le wie bei allen ande­ren Fah­rern son­dern ein Lächeln. Er scherzt noch, wäh­rend er lei­det, spielt mit der Kame­ra, fährt wie ein Träu­mer und mit dem roman­ti­schen Aura eines Fans. Er wider­setzt sich den ratio­na­len Ideen von gespar­ten Kräf­ten und abwar­ten­der Tak­tik. Wenn er ein­mal nicht gewinnt, begeis­tert er sich für das Ren­nen an sich, umarmt sei­ne Kon­kur­ren­ten und freut sich mit ihnen. Manch­mal, wie bei der Stra­de Bian­che, einem Früh­jah­res­ren­nen in der Tos­ka­na, kün­digt er bereits vor dem Ren­nen an, wo er atta­ckie­ren wird und setzt das dann tat­säch­lich um. Oder er schenkt einem am Stra­ßen­rand ren­nen­den Jun­gen noch eine Trink­fla­sche, wäh­rend er allen ande­ren davon­fährt wie die­ses Jahr bei der Ita­li­en­rund­fahrt. Es über­rascht nicht, dass sein gro­ßer Kon­kur­rent, der Däne Jonas Vin­g­e­gaard, der ihn bereits zwei­mal bei der Tour de France schla­gen konn­te, das Gegen­teil ver­kör­pert. Sieht Pogačar so aus, als wür­de ihm jeder Kilo­me­ter Freu­de berei­ten, wirkt Vin­g­e­gaard wie ein Kind, das kei­nen Salat essen will. Auf der Stra­ße tren­nen die bei­den manch­mal Zen­ti­me­ter, auf dem Weg zur Stra­ße sind es Wel­ten. Müss­te man in Land­schaf­ten spre­chen, wäre Pogačar das leich­te Schim­mern von reflek­tier­tem Son­nen­licht auf Wel­len an der Adria, Vin­g­e­gaard eine fest­ge­fro­re­ne Schol­le im Eismeer. 

Gera­de dass Vin­g­e­gaard sich die Kräf­te bes­ser ein­teilt und über­leg­ter fährt, so sagen die Exper­ten, hat ihm in den letz­ten bei­den Jah­ren die Ober­hand ver­schafft. Irgend­wann brä­che Pogačar zusam­men, weil er nicht gut genug mit sei­nen Kräf­ten haus­hal­te. Man kön­ne den Kör­per nicht zur Leich­tig­keit zwin­gen. Aber Pogačar denkt nicht dar­an, sei­nen Ansatz des­halb zu ändern. Er fährt nicht unbe­dingt, um zu gewin­nen. Das Wie ist ent­schei­dend. Und er hat Recht. Pogačar hat die Bedeu­tung des Ergeb­nis­ses im Sport revo­lu­tio­niert. Lie­ber gran­di­os schei­tern, als lang­wei­lig tri­um­phie­ren. Markt­ana­lys­ten und ande­re Tunicht­gu­te haben inzwi­schen fest­ge­stellt, dass die­ses Ver­hal­ten im Zeit­al­ter der Sozia­len Medi­en durch­aus viel­ver­spre­chend ist. Die zah­len­den Zuschaue­rin­nen sol­cher Sport­events, die­je­ni­gen, die Pro­duk­te kau­fen auf­grund von Bewun­de­rung, stör­ten sich mehr an Lan­ge­wei­le denn an Nie­der­la­gen. Das Spek­ta­kel ist inzwi­schen wich­ti­ger als das Ergeb­nis. Der Zweck (das Resul­tat) tritt hin­ter die Mit­tel (den Weg zum Resul­tat) zurück. Das fällt wahr­lich leichter.

Der ver­stor­be­ne Schrift­stel­ler Javier Marí­as, ein gro­ßer Fuß­ball­fan, der viel über sei­nen Ver­ein, Real Madrid geschrie­ben hat, ver­glich in einer Kolum­ne einst Cris­tia­no Ronal­do mit einem Kind. Er spiel­te dar­auf an, dass die­ser Ronal­do gleich eines Jun­gen immer gewin­nen wol­le. Rück­sichts­los ego­is­tisch wür­de die­ser Kind geblie­be­ne Mann kei­nen Unter­schied machen zwi­schen einem Elf­me­ter im Trai­ning und dem Fina­le der Cham­pi­ons League. Wenn er nicht gewän­ne oder wenn jemand ande­res mehr gewän­ne als er, wenn ihm wer den Ball weg­näh­me, wür­de er ver­zwei­feln, schrei­en, wei­nen. Man müs­se sich die­sen Ronal­do also als Kind vor­stel­len. Über­rascht es, dass aus einem sol­chen Cha­rak­ter einer der größ­ten Fuß­bal­ler aller Zei­ten wur­de? Pogačar und Ronal­do sind unter­schied­li­che Kin­der. Ers­te­rer weint, wenn man ihm das Rad klaut, Zwei­te­rer, wenn sein Ball nicht ins Tor fliegt. Bei­de aber sind wie die Mau­er­seg­ler. Einer genießt den Luft­zug im Flug, der ande­re jagt Insek­ten. Die­se bei­den Sport­ler erin­nern an die von Gom­bro­wicz beschwo­re­ne Leich­tig­keit. Sie spie­len nicht nach den Regeln der Erwach­se­nen und sind gera­de des­halb erfolg­reich. Im Sport kommt dazu noch ein kör­per­li­cher Aspekt, eine Form der Ele­ganz, schwer­kraft­über­win­den­de Grenz­erfah­rung. Die in die Peda­le über­tra­ge­ne Explo­si­vi­tät Pogačars, das In-der-Luft-Ste­hen Ronal­dos beim Kopf­ball, das sind Bewe­gun­gen, die sich der Nach­voll­zieh­bar­keit ent­zie­hen, man kann sich höchs­tens in sie träu­men, sich vor­stel­len, dass man flie­gen, an der Decke gehen oder ein Jahr lang unter Was­ser leben kann. Die­se kör­per­li­chen Bewe­gun­gen gibt es nur jen­seits des eige­nen Kör­pers. Ver­sucht man, es ihnen gleich zu tun, läuft man gegen eine Wand aus Lak­tat und Rückenschmerzen.

In den gro­ßen Sport­du­el­len der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te wird gern mit der Unter­schei­dung zwi­schen Leich­tig­keit und Schwe­re gear­bei­tet. Die Leich­tig­keit wird dabei mit Talent, ästhe­ti­schen Qua­li­tä­ten oder Ver­spielt­heit gleich­ge­setzt. Die Schwe­re mit Ehr­geiz, Fleiß und Resul­ta­ten. In die­sem Dua­lis­mus ist Ronal­do im Ver­gleich mit Mes­si auf Sei­ten der Schwe­re. Roger Fede­rer etwa war Inbe­griff einer schon in sei­nem Namen ange­leg­ten Mühe­lo­sig­keit, sein Wider­sa­cher Rafa­el Nadal war Inbe­griff einer sport­li­chen Ethik und Dis­zi­plin.
Tech­nik oder Mus­keln, Über­le­gen­heit oder Wider­stand. Die einen schwit­zen, die ande­ren schwe­ben. Aber erst im Auf­ein­an­der­tref­fen die­ser bei­den Kräf­te ent­fes­selt sich die Fas­zi­na­ti­on des Sports als dyna­mi­sche Wech­sel­wir­kung, als Tanz zwi­schen der Wirk­lich­keit und den Mög­lich­kei­ten. Die­ses Auf­ein­an­der­tref­fen braucht bes­ten­falls kein Gegen­über. Dann näm­lich erst erreicht die Leich­tig­keit eine ästhe­ti­sche Voll­kom­men­heit: Wenn sich Kör­per der Schwer­kraft wider­set­zen, wenn die Bedin­gun­gen der Wirk­lich­keit räum­lich und zeit­lich auf­ge­ho­ben wer­den. Leich­tig­keit ent­steht zwi­schen dem Ein­zel­nen und sei­ner Umgebung. 

Auch dabei wird das Wie ent­schei­dend. Das Wie als sich selbst wider­spre­chen­de oder her­aus­for­dern­de Vor­aus­set­zung des Seins, das Wie als Ran­d­er­kun­dung des Mög­li­chen. Die frag­wür­di­ge Vor­lie­be Gom­bro­wiczs für zu jun­ge Män­ner hat genau damit zu tun. In ihnen fand er das, was er selbst ein­mal glaub­te, wer­den zu kön­nen. In der Kunst geht es bes­ten­falls weni­ger um Leis­tung, aber das Wie ist auch in ihr ent­schei­dend. Sie bleibt ein Ein­druck von non­cha­lan­ter Voll­kom­men­heit, eine Erin­ne­rung an das, was mög­lich schien, nicht das, was mög­lich war. Sie ist Täu­schung und Ver­su­chung, Hoff­nung und fer­ne Erin­ne­rung. Sie ist Rausch und manch­mal, das kann man schon zuge­ben, ist die Ver­ve eines Tex­tes oder Fil­mes, eines Bil­des oder einer Foto­gra­fie wich­ti­ger als das eigent­li­che Ergeb­nis. Man behält dann einen Geschmack, eine Ahnung des­sen, was als Mög­lich­keit im Werk ver­bor­gen liegt. So leben wie ein Mau­er­seg­ler? War­um nicht!