Der Film erzählt vom Unrecht, das den Sinti:zze und Rom:nja in der NS-Zeit wider­fah­ren ist und vom Unrecht, das ihnen bis heu­te wider­fährt. Lan­ge wur­den die Ver­bre­chen der Nazis gegen sie nicht aner­kannt, statt­des­sen wur­den und wer­den Sinti:zze und Rom:nja bis heu­te dis­kri­mi­niert. Der Film erzählt aber auch vom Wider­stand dage­gen, vor allem von der Arbeit Roma­ni Roses, des­sen Vor­fah­ren nicht alle das KZ über­lebt haben.

Zu Beginn der Dis­kus­si­on weist Alex­an­der Scholz dar­auf­hin, das Z‑Wort nur im his­to­ri­schen Kon­text zu benut­zen. So füh­ren zwei frü­he­re Fil­me von Peter Nest­ler und Rai­ner Kom­ers das Z‑Wort im Titel: Zigeu­ner sein und Zigeu­ner in Duis­burg. Anschlie­ßend berich­tet Scholz von sei­ner Seh­erfah­rung, dass der Film ihn zum Recher­chie­ren ange­regt hät­te, da er sich bis­her noch nicht so viel mit der Geschich­te der Sinti:zze und Rom:nja befasst habe. So ist auch der wei­te­re Ver­lauf der Dis­kus­si­on von einer gewis­sen Ehr­furcht vor dem The­ma geprägt. Es wird betont, wie wich­tig es sei, sich mehr mit den Sinti:zze und Rom:nja zu befas­sen, mit ihren Ver­fol­gungs­er­fah­run­gen in der NS-Zeit, sowie dem bis heu­te andau­ern­den Ras­sis­mus gegen sie. Scholz nennt die Fil­me von Nest­ler und Kom­ers „Gegen­dis­kur­se“ zu den hege­mo­nia­len Erzäh­lun­gen, da die Auf­ar­bei­tung der NS-Ver­bre­chen an den Sinti:zze und Rom:nja bis­her in Deutsch­land zu kurz kam. So wur­den auch die bei­den frü­he­ren Fil­me von Nest­ler und Kom­ers lan­ge Zeit in Deutsch­land gar nicht gezeigt, Zigeu­ner in Duis­burg wur­de 1980 noch vom WDR abge­lehnt, berich­tet Kom­ers. Die Form des Films wird kaum dis­ku­tiert, Scholz weist ledig­lich auf die „Poli­tik des Aus­re­den­las­sens, des Raum­ge­bens“ hin, dass es auf­fal­lend sei, dass die Gesprächspartner:innen aus­re­den dürfen.

Von­sei­ten des Publi­kums wird eben­falls unter­stri­chen, wie wich­tig der Film ist und dass er die­se Leer­stel­le im öffent­li­chen Bewusst­sein der NS-Erin­ne­rung ein Stück weit füllt. Wei­ter wird von einem „Ein­druck des durch­gän­gi­gen Betrof­fen­seins“ gespro­chen, was Nest­ler als Grund­vor­aus­set­zung des Wider­stands sieht. Dar­auf­hin erzählt er von sei­nen Kind­heits­er­in­ne­run­gen, wie er als Kind mit Anti­zi­ga­nis­mus und Nazis­mus kon­fron­tiert wur­de. Eine Per­son aus dem Publi­kum fügt dem eben­falls eine Kind­heits­er­in­ne­rung der Begeg­nung mit Anti­zi­ga­nis­mus hinzu.

Jemand wei­te­res merkt an, dass es nicht nur Nest­lers und Kom­ers Fil­me zum The­ma gebe und dass es gel­te, auch ande­re Fil­me, die sich mit Anti­zi­ga­nis­mus befas­sen und die in der Ver­gan­gen­heit vom Fern­se­hen abge­lehnt wur­den, wie­der aus­zu­gra­ben und zu ent­de­cken. Zum Schluss weist eine Mel­dung aus dem Publi­kum dar­auf­hin, nicht nur die Sinti:zze und Rom:nja als homo­ge­ne Grup­pe zu sehen, son­dern auch die ver­schie­de­nen, ein­zel­nen Stim­men wahr­zu­neh­men, „Der Schritt von der Grup­pe zum Indi­vi­du­um steht an.“

So wich­tig und auf­schluss­reich ich den Film inhalt­lich fand, hat er mich for­mal nicht über­zeugt. Scha­de, dass auch in der Dis­kus­si­on das schwe­re The­ma eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem rela­tiv kon­ven­tio­nel­len doku­men­ta­ri­schen Zugang nicht zuließ.

Von Anna Stocker