Der Hun­ger gehört zu einer der Unan­nehm­lich­kei­ten auf Film­fes­ti­vals. Wäh­rend man ihn am frü­hen Vor­mit­tag nach einem knap­pen Früh­stück selbst zum ers­ten Mal ver­spürt, fragt man sich, ob es den ande­ren wohl ähn­lich ergeht. Ein leich­ter Schwin­del macht sich breit. Dann aber: Ziga­ret­ten und Kaf­fee kön­nen das Gefühl lin­dern, zumin­dest rei­chen dafür knap­pe Pau­sen. Übri­gens, der ver­meint­li­che Plu­ral «Espres­si» exis­tiert nur im Wort­schatz beson­ders kul­tur­be­flis­se­ner Deut­scher. Hier und da lässt sich ein Wunsch nach einer gemein­sa­men Mit­tags­pau­se ver­neh­men, sogar einen Mit­tags­tisch oder einen Food­truck könn­te man sich vor­stel­len. Der nächs­te Schritt zur all­ge­mei­nen Ver­brü­de­rung, bei dem sich mit Mes­ser und Gabel in der Hand der vor­he­ri­ge Argu­men­ta­ti­ons­strang noch­mals aus­ein­an­der zup­fen lässt, wie der leicht über­würz­te Capre­se-Salat. Ach­tung vor in spon­ta­ner Über­rum­pe­lung, unab­sicht­lich aus­ge­spuck­ten Schnit­z­elbis­sen in der Later­ne oder kol­la­bie­ren­den Bruschet­te in La Gio­con­da. Fal­len­de Toma­ten­wür­fel, ein Mund, der Schlim­me­res zu ver­mei­den sucht, und öli­ge Hän­de – eigent­lich ein Grund zum Schwei­gen. Darf es schon ein Wein sein? Bes­ser nicht. Wuss­ten sie schon, bei Mimi e Rosa gibt es angeb­lich eine präch­ti­ge Natur­wein-Aus­wahl, zumin­dest sah man dort eine Magnum­fla­sche des Cuvée Mar­gue­ri­te 2023 von Matas­sa. Kein schlech­ter Jahr­gang. Das in Duis­burg? Na ja, der Inha­ber hat­te ges­tern kei­ne rech­te Lust. Aber die Kar­te ist außer­or­dent­lich gut. Sonst viel­leicht doch lie­ber der City Grill, in Ket­chup ertränk­ten Pom­mes, ehr­lich. Wer jedoch allei­ne sein will, dem sei die hei­ße The­ke der Metz­ge­rei Simon-Berns emp­foh­len, direkt gegen­über von Shawarma Alzai­em, wo es aber manch­mal auch etwas län­ger dau­ern kann, dafür aus­ge­dehn­te Öff­nungs­zei­ten. Für den vege­ta­ri­schen Gau­men lohnt sich auch ein Abste­cher zu Ichi­ra­ku Sushi & Grill, Hu Tong Nood­le House oder Nuh’s Thai. Über Da Rober­to kann hier all­ge­mein kei­ne Aus­sa­ge getrof­fen wer­den. Preis­gel­der am bes­ten bei Förs­ter oder gleich in der Küp­pers­müh­le ver­pras­sen. Rat­sam ist aller­dings, im Vor­aus zu reser­vie­ren. Ein­sa­me Stun­den kann man im Café­haus Dob­bel­stein ver­brin­gen, doch ver­ra­ten Sie es nicht wei­ter. Dort las­sen sich die eige­nen Gedan­ken samt Mür­be­teig­ge­bäck in über­gro­ßen Kaf­fee­tas­sen auf­wei­chen. Es ist nicht leicht, für sich zu blei­ben, über­all schwe­ben unver­dau­te Gesprächs­res­te umher. Zum Essen erhal­ten Rand­be­mer­kun­gen selt­sa­mer­wei­se beson­de­res Gewicht. Viel­leicht, weil ihre ver­dräng­te Dring­lich­keit beim Stil­len des eige­nen Nah­rungs­be­dürf­nis­ses ins Bewusst­sein kommt. Man könn­te sich auch geirrt haben. Nicht so wich­tig. Im Grae­fen löst sich spä­ter ohne­hin alles wie­der auf. Ja, das Grae­fen, so viel Ber­lin, auf so klei­nem Raum, bit­te ver­zich­ten Sie auf zu viel Gepäck, fül­len Sie statt­des­sen die Zug­luft mit Gesprächs­stoff oder Blick­kon­tak­ten. Pils lockert die Zun­ge, auch die sonst so müden. End­lich wird wie­der dis­ku­tiert, wie frü­her, aber auch eben­so viel wie­der ver­ges­sen, glück­li­cher­wei­se. Gab es damals noch kei­ne Bar? Jeden­falls gab es in der König-Braue­rei noch grö­ße­re Umschlags­men­gen. In Duis­burg scheint es vie­le Gra­fen gege­ben zu haben, heu­te resi­die­ren sie wahr­schein­lich in Düs­sel­dorf. Wenn es Sie zum ers­ten Mal nach Duis­burg ver­schlägt, dann grei­fen Sie doch zu die­sem klei­nen Rou­t­ard, um sich zu ori­en­tie­ren, wo kein Fal­staff hin­kommt. Kino ist, wo essen nicht erlaubt ist, doch jeder an nichts ande­res denkt. Nicht mal Musik, das gehei­me Fes­ti­val­mot­to, nimmt man so unmit­tel­bar wahr wie das Essen, das so selbst­ver­ständ­lich vor einem steht; und gleich­zei­tig kos­tet es nir­gends so viel Über­win­dung, sich über per­sön­li­che Abnei­gun­gen hin­weg­zu­set­zen. Für die einen mag Distink­ti­on sein, was für ande­re ein Lebens­mit­tel ist. Abge­schmack­te Ver­glei­che. Wohl gou­tiert, lebt ein Hauch von Vitto­rio de Seta in Fran­zis­ka von Steng­lins Baħar Biss, wo trotz guter Pla­nung kein Fisch ins Netz gehen will. Ein Gus­to­stück des dies­jäh­ri­gen Pro­gramms. Für den einen beginnt dort die Fik­ti­on, für den ande­ren endet sie. Beim eige­nen Hun­ger gibt es gar kei­ne, so viel ist sicher. Das wis­sen auch die Fischer, obwohl sie schon lan­ge nicht mehr an den Klip­pen ste­hen. Aber muss es so weit kom­men? Essen Sie sich bloß nicht an einem Ort satt, nur weil es unse­riö­se Quel­len empfehlen.