Ange­la Scha­nelec filmt gegen die Spra­che an, viel­leicht schon immer. Ihr Kino fin­det jen­seits der Wor­te statt. In ihrem jüngs­ten Film aber wird viel gespro­chen. Sie lässt ihre Figu­ren auch gegen jene Spra­che spre­chen, die nor­ma­ler­wei­se gespro­chen wird. Spra­che ist nicht nur, was wie gesagt wird, Spra­che ist Stim­me, Volu­men, Far­be, Rhyth­mus, Iden­ti­tät, Zögern.
(Ein Film über das, was das Kino sieht, wenn es Spra­che filmt)
Wenn die Wör­ter feh­len, kann es hel­fen, wenn die Stim­men blei­ben. Ein­fach nur Stim­men, die aus dem ver­sun­ke­nen Selbst ins Luft­äu­ße­re drin­gen.
Gera­de weil so viel gespro­chen wird, ist es Scha­nelecs gewalt­volls­ter, direk­tes­ter Film.
Es ist ein sanf­ter Film, kei­ne Fra­ge. Die Figu­ren reden und erzäh­len auch, um am Leben zu blei­ben, um etwas zu spü­ren. Die­je­ni­gen, die zuhö­ren, sol­len spü­ren, dass die Spre­chen­den etwas spü­ren.
Eine Zei­le von Thom Yor­ke liegt nahe, sie beschreibt den Wunsch, nicht allein zu sein, wäh­rend man sich wünscht, allein zu sein: and if I’m gon­na talk, I just wan­na talk, plea­se don’t inter­rupt, just sit back and lis­ten.
Unaus­ge­spro­chen bleibt die klaf­fen­de Lee­re. Die Hand­lung als aus­blei­ben­de Hand­lung oder als mög­li­che Hand­lung, die Skep­sis als Motor einer fil­mi­schen Per­spek­ti­ve: Die, die am meis­ten füh­len, fra­gen sich, ob das Füh­len über­haupt mög­lich ist. Die, die am meis­ten sagen, fra­gen sich, ob sie über­haupt sagen kön­nen, was sie füh­len.
Die Bil­der fal­len so emp­find­sam aufs Objek­tiv, als wären sie Wor­te, die man hört oder über­hört. Die­se unge­mei­ne Fra­gi­li­tät des Seins trifft auf ein Bewusst­sein, das weiß, wie es das Zer­brech­li­che zur Gel­tung brin­gen kann.
«Ein Wort wird nur Wort /​wenn sei­ne Bedeu­tung Gefühl wird /​und am größ­ten könn­te /​das Wort sein /​dass wir nicht sagen» (Mak Diz­dar)
Das­sel­be Wort kann Wun­den hei­len und zurück­las­sen. Auf was hof­fen wir, die wir so viel reden, um ver­stan­den zu werden?