Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Notizen zu Peter Nestler: Om Boktryckets uppkomst

Text: Kati Misselwitz

Peter und Zsó­ka Nest­ler haben meh­re Fil­me gemacht, die ein The­ma ver­mit­teln. Sie wur­den für das schwe­di­sche Kin­der­fern­se­hen pro­du­ziert, meist aus­ge­hend von einer kon­kre­ten Fra­ge von Kin­dern. Einer die­ser Fil­me ist Om Bok­tryckets uppkomst. In vier­und­zwan­zig Minu­ten erzählt der Film eine Geschich­te des Buch­drucks. His­to­ri­sches, Kunst und per­sön­li­che Lebens­ge­schich­ten wer­den ver­wo­ben zu einer visu­el­len Erzäh­lung, ergänzt durch einen, in der deut­schen Sprach­fas­sung von Peter Nest­ler gespro­che­nen, Kom­men­tar und Aus­sa­gen eines Holzschneiders.

Die fil­mi­sche Rei­se in die Geschich­te des Buch­drucks beginnt bei den Nest­lers mit vie­len Hand­schrif­ten auf Papier, sie führt nach Ägyp­ten, Chi­na, Korea und Japan und ins mit­tel­al­ter­li­che Euro­pa. Sie blät­tern die­se Hand­schrif­ten vor uns auf, das Auge ver­mag nur einen klei­nen Teil der Viel­falt zu erfas­sen. Bereits lan­ge vor der Erfin­dung der beweg­li­chen Let­tern aus Metall durch Guten­berg, wur­de auf Stein und mit Holz­plat­ten gedruckt. Die­se Kunst des Holz­schnitts ehrt der Film mit der Beob­ach­tung eines Holz­schnei­ders bei der Arbeit. Wir erfah­ren im Wech­sel­spiel etwas über die Tech­nik des zeit­ge­nös­si­schen Kunst­hand­wer­kers und die Druck­tech­nik der Mön­che vor fünf­hun­dert Jah­ren, über ihre Geduld, ihre Werk­zeu­ge zum Schnit­zen und zum Farb­auf­trag, über die Beschaf­fen­heit zum Druck geeig­ne­ter Holz­sor­ten. Par­al­lel zum Gleich­mut der hand­werk­li­chen Schrit­te eines Holz­drucks wer­den auch die Bild­fol­gen des Films ruhi­ger, kon­zen­trier­ter und län­ger. Die Nest­lers gewäh­ren uns einen kur­zen Ein­blick in das Leben des Holz­schnei­ders, des­sen Erfah­run­gen auch die Moti­ve sei­ner Holz­schnit­te prägen.

Die Geschich­te des Buch­drucks wird nicht chro­no­lo­gisch erzählt, was auch die Geschichts­auf­fas­sung der Autoren wider­spie­gelt. Geschich­te ist nichts Abge­schlos­se­nes. Poli­ti­sche Ereig­nis­se prä­gen nicht nur eine Epo­che, son­dern sind Teil der Erfah­run­gen der Mensch­heit, die über Gene­ra­tio­nen und Jahr­hun­der­te in vie­len Leben fort wirkt.

Mit der von Guten­berg gedruck­ten zwei­und­vier­zig­zei­li­gen Bibel springt der Film in die Zeit der Refor­ma­ti­on und der sie beglei­ten­den Krie­ge um ein neu­es Macht­ge­fü­ge. Die Fürs­ten und Bischö­fe ran­gen um ihre Posi­tio­nen und vie­le Bau­ern lie­ßen ihr Leben, Dör­fer wur­den nie­der­ge­brannt, Men­schen gefol­tert und zum Tode ver­ur­teilt. Der Film illus­triert das mit einer Zeich­nung von Dürer.

Die Geschich­te des Buch­drucks ist auch eine Geschich­te der Auf­klä­rung und der Eman­zi­pa­ti­on. Es wirkt sehr nahe­lie­gend, dass Peter und Zsó­ka Nest­ler die­sem The­ma einen Film­essay widmen.