Dass Filme abgelehnt werden, gehört zum Kino, so sehr wie das Verstummen und Verschwinden. Vergangene Woche konnte man im Wiener Celeste bei einer ersten klandestinen Veranstaltung mit dem Namen Rejected Films einige solcher Filme sehen. Es handelt sich um den Versuch eines losen Verbunds einiger Filmemacher, von diversen Festivals abgelehnte Arbeiten einem Publikum zu präsentieren. Dies unter dem nicht gerade affektlosen Anspruch, gegen die Hürden solcher Institutionen angehen zu wollen. Den zum Auftakt erwähnten Schmerz oder die Verletzung, die Zurückweisungen dieser Art hervorbringen, wich an diesem Abend einer angeregten Stimmung nebst taktvollen U‑Bahn-Geratter, das an längst vergessene Tage in subversiven Untergrundkinos erinnern hätte können, oder zumindest das, was man sich darunter vorstellt. Gedimmtes Licht in einem überfüllten, heißen Raum, knarzende Bestuhlung, auf denen hastig gedruckte Programmzettel verteilt liegen und danach Karaōke. Die Kuratoren, zu denen auch Sebastian Bobik, ein Autor des Blogs gehört, haben sechs Filme aus den Einsendungen, die mit einer Absage belegt werden mussten, ausgewählt. Zwei weitere Veranstaltungen mit anderen Filmen sind bereits geplant.
Den ersten Abend könnte man vielleicht als symbolische Kontaktaufnahme verstehen, zu einem Gegenüber, das (noch) nicht existiert. So handeln alle Filme seltsamerweise von missglückten oder zumindest verkomplizierten Kommunikationsversuchen. Vor allem zwischen Innen- und Außenräumen, zwischen denen stets eine Trennung verläuft. Wie etwa ein Fenster in Sunlight & Sattellite von Kaushik M, wo ein reflektierter Lichtstrahl minutenlang bei einem läutenden Telefon beobachtet wird. Niemand hebt ab und das Flackern des Lichts bleibt beständig veränderlich, fast rhythmisch. Ähnliche Kommunikationsversuche zwischenmenschlicher oder extraterrestrischer Art gibt es auch in depature von Max Stapelfeld oder in PLANETID #(6189514419) von Eric Daniel Butler. Entweder soll Kontakt zu Außerirdischen aufgenommen werden, man macht sich Bilder von ihnen, oder sie sprechen von ganz allein mit dem Film, nur in einer Sprache, die kein Mensch versteht. Ebenso fremd, aber geradezu feindlich erscheint eine Taube in The Curious Case of the Pigeon Spy von Lars B. Frahm, dessen angeblicher Found-Footage-Film einer tagelangen Tortur paranoider Voice-overs tödlich endet. Teils humorvolle Grenzerfahrungen gepaart mit transgressiven Impulsen verbindet alle diese Filme, insbesondere Peephole Educational Video von Nestor Hiebl, den verstörenden, postapokalyptischen Traumbildern inspiriert etwa von David Cronenbergs Videodrome, sowie ONYX von Ramina Jenabi, einer nicht weniger nebulösen 16mm-Material-Assemblage, erinnernd an Stan Brakhage. Es stehen Körper im Vordergrund und neben ihnen überschüssiges, fehlbelichtetes Material, womit die Arbeiten anstatt eines wiedererkennbaren Stils vielmehr ihren skizzenhaften, unfertigen Charakter nach Außen kehren.
Es heißt von den Kuratoren eher raunend als mitteilend, die Festivals würden die Anpassung an einen besonderen Festivalstil einfordern. Worin dieser besteht, könnte man sich vielleicht denken, ausbuchstabiert wird es allerdings nicht. Stattdessen wähnt man sich im Boot mit anderen Filmemachern wie Lucrecia Martel und Angela Schanelec, die ähnliches kritisieren würden, deren Werk mithin aber von Erfolg und Anerkennung gezeichnet ist. Der Verdacht liegt also nah, dass die Nichterfüllung dieser vermeintlichen Anforderung zum Ausschlusskriterium wird, womit man sich beim Schauen der Filme plötzlich selbst als ungewolltes Mitglied einer Auswahlkommission wiederfindet und darüber nachdenkt, woran es diesen Filmen womöglich mangelt. Sind es die überbordenden Schriftzüge, die Aussparungen narrativer Reize, das Fehlen der Montage oder technische Eigenwilligkeiten? Keiner der Filme ruft nach Aufmerksamkeit und das wahrscheinlich zu Recht, würde man ihnen den selbstbewussten Einspruch gegen Festivalstrukturen unterstellen. Doch gerade auf umgedrehte Weise wird ihnen hier diese Zurückgezogenheit zum hauptsächlichen Sehkriterium. Die drei anwesenden Filmemacher bestätigen, dass sie eigentlich nur eine einzige Einreichung bei jeweils einem Festival versucht hatten, wo ihnen letztlich eine Absage erteilt wurde. So könnte man auch glauben, an anderer Stelle hätten sie vielleicht mehr Erfolg gehabt. Aber darum geht es weniger, als um die Bestätigung, sich in einer filmischen Nische wiedergefunden zu haben. Wenn es sich nicht gerade um begleitende Visuals einer Musikperformance handelt, wie bei ONYX.
Gleichzeitig setzt die Anspruchshaltung, die eigenen Arbeiten auf einem – ja vielleicht sogar auf irgendeinem – Festival zeigen zu können, voraus, bei Festivals handele es sich um wohlwollend, pluralistische Diskursräume, wo jeder Perspektive Augen und Ohren geschenkt werden müssen. Zwar sollte dem sein, würde man den mantrahaften Statementtexten Glauben schenken, zweifeln dürfte man aufgrund notorischer Beteuerungen daran aber genauso. Eher wählen Festivals Einreichungen mehr oder weniger bewusst danach aus, inwiefern sie politische, kulturelle und manchmal sogar ästhetische Debatten prägen können. Rejected Films bildet darin keine Ausnahme, während hier gerade der ausgeschlossene, verfemte Rest hochgehalten werden soll. Pluralismus kennt keine Einbahnstraßen und ist dennoch nicht regellos. Nachvollziehbarerweise bringt dies Irritationen und vor allem Enttäuschung hervor, wofür eine intrinsische Skepsis passende Antworten bereithält. Diese Haltung, die mehr ist als eine Meinung, ist dabei zum Teil dessen geworden, was man aktuell gerade als Filmkultur begreift. Das bedeutet, jeder kann und will sein eigener Kritiker oder Kurator sein, in Kompensation dessen, dass man ohnehin nicht alles begreift. Woran Veranstaltungen wie diese aber genauso erinnern, ist, dass man nicht darauf angewiesen sein muss, wenn man sich auf die Unabgeschlossenheit des künstlerischen Prozesses beruft. Das heißt, wenn man wagt, seine Ideen und Skizzen einem nahbaren, wenngleich unbekannten Publikum zu zeigen, ohne mit einem vernichtenden Urteil, einem Preis oder Absagen zurechnen.
Dass man davon nicht leben kann, aber umso mehr will, sollte nicht vergessen werden. Programmatisch gefärbte Lebenszeichen wie Rejected Films zeigen, wie wichtig das Kino sein will, anders als es das durchorganisierte Tagesgeschäft wahrhaben möchte. Es könnte sich aber noch als Fehler herausstellen, parallele Trotzstrukturen zur eigenen Sicherheit zu errichten, es wäre nicht das erste Mal. So viel Skepsis bleibt, möchte man sie doch vor dem Kino am liebsten zurücklassen.

