Über uns

„Eine ganze Welt öffnet sich diesem Erstaunen, dieser Bewunderung, Erkenntnis, Liebe und wird vom Blick aufgesogen.“ (Jean Epstein)

Taubenblicke III

Ver­wechs­lung: Ein vom Wind getra­ge­nes Plas­tik­sa­ckerl, das zu Boden fällt, mit einer lan­den­den Amsel

Der nach einer weg­flie­gen­den Tau­be sprin­gen­de Jun­ge; zu sei­nen Füßen, die Über­res­te von Hüh­ner­kno­chen (Urban Loritz-Platz)

Der Ber­ner Sen­nen­hund schaut auf die Tau­be wie ein älte­rer Bru­der auf sei­ne klei­ne Schwester.

Die Tau­ben­fe­der im Stie­gen­haus, dane­ben eine lee­re Fla­sche Wie­sel­bur­ger und im Hof, der in der Luft her­um­wir­beln­de Staub vom gera­de aus­ge­schüt­tel­ten Teppich.

Vor dem Ein­gang der Sou­ter­rain-Moschee ein frei­hän­di­ger Besen, der den Geh­steig kehrt. (Die Ent­fer­nung nach Mek­ka: 1046,62 km südöstlich)

Der Alko­ho­li­ker im Roll­stuhl sagt zu den Müt­tern, wäh­rend ihre Kin­der im Sand­kas­ten spie­len: „Die­se Sand­bur­gen wer­den nie halten!“

Die zwei Ping­pong spie­len­den Kin­der, bei­de so klein, dass ihre Köp­fe kaum den Tisch errei­chen, der Wind, der den Ball stän­dig wegbläst.

Vor der Woh­nungs­tür, der ers­te Blick am Tag: der schla­fen­de Jun­ge im Fah­rer­sitz eines Autos, sein Mund weit offen, die Hän­de das Lenk­rad umklam­mernd, wäh­rend im Rück­sitz die Eltern auf ihre Han­dys schauen.

Eine Mut­ter und ihr Sohn tra­gen gemein­sam eine Ein­kaufs­ta­sche die Allee ent­lang, jeder einen Griff in der Hand, wäh­rend der Sohn sei­ner Mut­ter die Zah­len auf Deutsch bei­bringt: „eins…zwei…drei…vier…fünf…sechs…“

Dann spä­ter am Abend in der Woh­nung von drau­ßen hören, wie die Kin­der unten im Park Ver­steck spie­len, das lau­te Auf­zäh­len einer unsicht­ba­ren, älte­ren klin­gen­de Stim­me im dun­keln Wirr­warr der Schat­ten und Bäu­me: „…sieben…acht…neun…zehn…!“