Der stun­den­lan­ge Son­nen­un­ter­gang im hohen Nor­den, als zöge­re der Him­mel, sein Auge zu schlie­ßen (Tak­ve­da­hol­men, Finnland)

Am Strand einer Insel sit­zen mit Blick in das blau­grü­ne Meer­was­ser, auf des­sen Ober­flä­che die Karp­fen klei­ne Fur­chen zie­hen; am Him­mel die See­mö­wen, die mit jeder ihrer Kur­ven den Raum erwei­tern oder eine neue Schrift erfin­den; ein plötz­li­cher Wind, der einen Gum­mi­ball ins Was­ser rollt und durch die Sei­ten eines offe­nen Buches blät­tert; der Hund, der eif­rig im Sand gräbt, als suche er nach einem Schatz; der Anblick schwar­zer Leder­schu­he im Gras, die seit Tagen nicht getra­gen wur­den und der rot­brau­nen Far­be des Holz­boo­tes weit drau­ßen auf dem See, und hin­ter mir ist das Lachen eines Kin­des zu hören, als es zum ers­ten Mal schafft, allei­ne die Stie­gen zur Veran­da des Land­hau­ses hin­auf­zu­stei­gen (auch Finnland)

Auf der Nach­bar­insel die Kin­der, die mor­gens bis abends vom Steg ins Was­ser sprin­gen, jedes Kind mit einem eige­nen Schrei und einer eige­nen Art zu sprin­gen, und in der lang­sam her­ein­bre­chen­den Dun­kel­heit wer­den sie zu alters­lo­sen Umrissen

Im Traum nie­sen und im ers­ten Moment des Auf­wa­chens steht eine Figur im Tür­rah­men des Zim­mers und sagt: „Gesund­heit“

Einem Freund aus der Kind­heit, den man seit Jahr­zehn­ten nicht gese­hen hat, zufäl­lig wie­der­be­geg­nen (auf der Stra­ße, in einer Bar), und sich ein­an­der grü­ßen, als ob man sich ja immer sieht: „Na, alles gut?“

Fund­stück: „AFFE GESUCHT! Am 11.10.2024 ist mir zwi­schen 11:30–11:45 Uhr mein Affe Clau­di in der Her­mann­gas­se aus der Hand gerutscht, als ich geschla­fen habe. Wer ihn gefun­den hat, mel­det sich bit­te bei mei­ner Mut­ter unter 0660/​XXXXXXX. Sie bedeu­tet mir wirk­lich viel! Dan­ke, ein klei­ner Affen­freund“ (Hermanngasse/​Seidengasse)

Über­hör­tes Gespräch zwi­schen zwei Stra­ßen­keh­rern früh­mor­gens beim Auf­he­ben des im Park ver­streu­ten Mülls: „Manch­mal sind die Men­schen nicht gut“ – „Nein, die Men­schen sind nie gut“

Ande­res Wort für Herbst: Die Kastaniensammelzeit

Das Knis­tern der Laub­blät­ter unter den Fuß­stap­fen und die Vor­freu­de auf die ers­ten Schneeflocken

Auf der U6 zur Stoß­zeit fah­rend, wie die gelb-braun-roten Herbst­far­ben der vor­bei­flit­zen­den Bäu­me ent­lang des Gür­tels durch die Fens­ter hin­ein­leuch­ten, ihre Laub­schat­ten auf uns Pas­sa­gie­re wer­fen – unse­re Gesich­ter, Hän­de, Haa­re – und den Wagen mit einem sanf­ten, auf­hei­tern­den Licht fül­len, als wol­len sie, nach dem lan­gen Arbeits­tag, uns aus unse­rer Lebens­mü­dig­keit herausziehen