Three Men of Wisconsin: F for Fake von Orson Welles

Zwi­schen den gan­zen Zau­ber­tricks und Illu­sio­nen, den ver­hüll­ten Schlei­ern und den dop­pel­bö­di­gen Spie­geln in F for Fake, dem wahr-fal­schen Film des mäch­ti­gen Orson Wel­les stell­te sich mir, trotz aller Intel­li­genz und allem Spott im Film eine ganz ande­re Fra­ge: Stellt der Film nicht aus­schließ­lich Fra­gen bezie­hungs­wei­se gibt Ant­wor­ten über die wir heu­te (und viel­leicht auch schon 1975) lan­ge hin­aus sind?

Das Publi­kum ver­füh­ren und eine Wich­tig­keit auf die Fra­ge der Illu­si­on legen, als wüss­ten wir nicht ob der Vor­hän­ge, als wäre unser Pro­blem nicht viel­mehr die Kom­ple­xi­tät einer Wahr­heit , die es nie ohne Lüge gibt und die Lügen, die vol­ler Wahr­heit ste­cken. Zudem, wie unter ande­rem Jac­ques Ran­ciè­re bemerk­te, scheint es heu­te span­nen­der zu sein, dass eine des­il­lu­sio­nier­te Ord­nung, also eine Welt ohne die Illu­si­on, die Wel­les so sehr for­dert, indem er sie offen­bart, nahe an Zer­stö­rung und Wahn­sinn ist. Die­ser Wahn­sinn wäre dann in F for Fake die Mon­ta­ge und hier und da (sel­te­ner als in ande­ren Fil­men des Regis­seurs) auch die Bild­spra­che. Die­ses ver­wo­be­ne Kon­strukt ist ein Irr­sinn, den man kaum grei­fen kann. Wenn Wel­les nun sei­ne Lügen über die vir­tuo­se Mon­ta­ge spinnt, dann führt er Film, wenn man so will (man muss nicht) zurück zu sei­ner Urlü­ge, aber in dem er den Trick ver­rät, macht er ihn rele­van­ter als er ist, er gibt dem Trick selbst die Büh­ne und nicht dem Film, obwohl der Trick doch so unwich­tig ist. Wel­les führt gewis­ser­ma­ßen aus sei­nem eige­nen Laby­rinth her­aus, indem er uns offen­sicht­lichst anlügt und etwas völ­lig belang­lo­ses offen­bart: Alles ist ein Trick. So zeigt sich nichts und nichts wird versteckt.

F for Fake2

Nun kann man sagen, viel­leicht in gewis­ser Anleh­nung an Chris­to­pher Nolans The Pres­ti­ge, dass der Trick auch immer eine Fra­ge der Vor­stel­lungs­kraft des Betrach­ters ist. Nur für die­se lässt Wel­les hier gar kei­nen Platz. Viel­mehr defi­niert er sie selbst, er lenkt sie und er stellt sich so letzt­lich selbst dar, was von der ers­ten Sekun­de an dazu führt, dass man den dop­pel­ten Boden sieht. Dies könn­te nun bedeu­ten, dass Wel­les eben auch nicht an die Unter­schei­dung zwi­schen Illu­si­on und Rea­li­tät glaubt und deren Über­la­ge­rung betont, aber dazu legt er viel zu viel Begeis­te­rung für den Fake, die Lüge an den Tag. Auch mag man in der Prä­senz der Per­so­na des Per­for­mers einen ganz eige­nen Wahn­sinn, viel­leicht Grö­ßen­wahn­sinn ent­de­cken, der das Spiel mit der Illu­si­on wie­der in unse­re Zeit über­führt. Der Punkt ist, wenn man den lie­bens­wer­ten Schar­la­ta­nen um Wel­les folgt, dann funk­tio­niert die­ser Film natür­lich außer­ge­wöhn­lich, da er span­nen­de Fra­gen zur aura­ti­schen Kraft der Kunst, Autoren­schaft, ihrem Copie Con­for­me Touch, der Bedeu­tung von Kri­tik und Exper­ten sowie zur Fik­ti­on an sich stellt, wenn man sich aber inmit­ten einer Kri­se der Reprä­sen­ta­ti­on befin­det, in der ein Zwei­fel sowie­so Bestand­teil des Sehens sein muss (zumin­dest im Film, ich bin mir nicht sicher, ob F for Fake ein Film ist, obwohl es natür­lich ein Film ist), dann folgt man lie­ber den Anwei­sun­gen des im Film zitier­ten, unga­ri­schen Koch­buchs und stiehlt ein Ei, um ein Ome­lette zu machen.