Du hast gesagt, dass es besser wäre, eine Zeit lang nichts mehr zu schreiben. Die Welt ließe das nicht mehr zu. Jedes Wort wäre belagert und zwecklos. Man müsse sich anders ausdrücken, um am Leben zu bleiben. Das war in Zagreb. Wir waren dort einige Tage und beinahe ist nichts passiert. Der Himmel war vom gleichen Grau wie der Asphalt. In den Parks lagen entwurzelte Bäume, weil Tage vorher ein Sturm durch die Stadt gezogen war. Katzen hockten gelangweilt auf den Mauern. Am Marktstand kostete ein Bündel Wildspargel 5 Euro. Ich schreibe ja nichts. Ich zähle nur die Quadratmillimeter der Spatien auf meinem Papier. Sie vergrößern sich mit jedem Tag. Jetzt schreibe ich im Sperrsatz.
Ohne dein Buch zur Vogelbestimmung bin ich verloren. Ich habe sie alle gehört auf dem Jurjevsko Friedhof, aber ich wusste sie nicht zu benennen, konnte ihnen nur lauschen. Ein Junge, vielleicht war er vier Jahre alt, ging mit großen Augen zwischen den Gräbern umher. Er glaubte an Geister, obwohl er noch nie einen Schatten gesehen hat. Das bist du, sagtest du und ich nickte, obwohl ich mich kaum wiedererkannte. Aus ihm könnte alles werden, dachte ich.
Ich schreibe ja nichts. Es ist wie in jeder Stadt. Es gibt Nummern für Straßenbahnen, die für manche die Welt bedeuten. Überall steht jemand und wartet. Ab und an hört man eine Sirene. Diese Stadt ist nicht wie die anderen, sagtest du. Ich weiß nicht, zuckte ich mit den Schultern, es ist Mitteleuropa. Sie bauen Glas ins Mauerwerk und im Brachland liegt Müll neben den schönsten Blumen. Aber du kennst andere Wege als ich. Manche zeigtest du mir. Ich sah eine Kirsche, die blühte, als wäre sie glücklich.
Danke jedenfalls für die unbeschriebenen Postkarten, die du mir über die Jahre von hier geschickt hast. Die Menschen darauf sind schön und sie lächeln. Ich hebe sie auf und lerne dort zu lesen, wo nichts geschrieben steht.

