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Notiz zu Flowerbed von Robert Todd
Dass Blumen und Filme gar nicht so verschieden sind, liegt an den Farben; man müsste sie nur wachsen lassen. Jedenfalls gibt es eine Tradition all jener, die lieber Blumen filmen, als Menschen oder Tiere. Das hat wahrscheinlich zwei Gründe: 1. Blumen ist es egal, ob sie gefilmt werden oder nicht.…
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Notizen zum Abstand
1. Der Abstand hängt etymologisch mit dem Verzicht zusammen. Es ist ein Verbalabstraktum zum mittelhochdeutschen abestān: abstehen, entfernt sein; überlassen, verzichten. 2. Abstände können regelmäßig (Mondphasen, Meilensteine oder nervliche Zusammenbrüche) oder unregelmäßig (Ankunft deutscher Züge im Bahnhof, Gehaltskürzungen oder Wolkenbrüche) sein. 3. Abstand ist abstrakt, es gibt ihn nicht ohne eine…
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Notiz zu Splav meduze von Karpo Godina
Das Langfilmdebüt des Aufrührers und Untergrundcineasten Karpo Godina kommt im Vergleich zu seinen Kurzfilmen brav daher. Denn wie so oft in zensurgebeutelten Zusammenhängen stecken die subversiven Anklänge zwischen den Zeilen wie dort zufällig vergessene Mausefallen. Das selbstironische und doch angreifende Sentiment des Filmemachers, der hier frei jeder Hektik zwei Lehrerinnen…
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Notiz zu Kairat von Darezhan Omirbaev
Ein Film über Bewegungen, die immer ins Leere gehen: kreisen, auf Gleisen treiben; stehenbleibende Riesenräder, jugendliches Herumlungern, ein Mobile an der Zimmerdecke. Darezhan Omirbaev verknüpft das Gefühl einer driftenden Jugend mit jenem des post-sowjetischen Zustands. Mitten drin ein zugleich sanftes und brutales Gefühl. Es ist das Gefühl, das sich einstellt,…
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Notiz zu OH! die vier Jahreszeiten von Ute Aurand, Ulrike Pfeiffer
Die Kamera lässt sich vom Film mitreißen (nicht umgekehrt); hinein in einen Rausch, der bestehende Räume verändert mit Bewegung, Musik, Kostüm und Blicken. Nachdem Jonas Mekas von der Improvisation und deren Bedeutung erzählt, sieht man die beiden Filmemacherinnen in Berlin, Paris, Moskau und London. Zu hören sind Carl Orff, Edith…
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Notiz zu Les Amants du Pont-Neuf von Leos Carax
Bei Leos Carax gilt die Regel: je populärer sein Film desto uninteressanter. Einen schlechten Film hat er bis heute nicht gedreht. Neben Holy Motors ist Les Amants du Pont-Neuf sein bekanntestes Werk. Hier zeigt uns Carax einige Dinge über die Liebe. Zum Beispiel, dass sie aus Kinetik besteht oder dass…
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Notiz zu Ich liebe dich, ich töte dich von Uwe Brandner
Dystopische Unbehaglichkeit in der bayerischen Idylle. In seinem Anti-Heimatfilm aus dem Jahr 1971 liefert Uwe Brandner gewissermaßen einen Vorläufer zu Roy Andersson oder den deformierten Pastoralen eines Bruno Dumont; dabei setzt er zugleich ein irres Stück Film in die Reihe deutscher Hypnosefilme, die ausgehend von Fassbinder und dem frühen Herzog…
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Notiz zu Ulzana’s Raid von Robert Aldrich
Ein Film für alle, die glauben, dass ihre Wahrheit auch für andere gilt. Vielerorts gepriesen als Robert Aldrichs bester Film der 1970er Jahre, fasziniert Ulzana’s Raid vor allem deshalb, weil er jede Form einer emotionalen oder moralischen Beruhigung ausspart. Stattdessen lässt Aldrich seine Protagonisten mit Staub und Blut zurück. In…
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Das Kino im April 2020
herzergreifendes streamen, bedingungsloses beamen, ach der alte downloadstress, muss meine festplatten festzurren, alles beschriften, schnell, schnell, mich langsam durchklicken, dann ausatmen, pixelköpfe anstarren, einatmen, ladebalken abwarten. das bild lädt noch, das bild friert ein, oh nein, abgebrochen! überfüllt, umsonst, umsonst, for free, die kunst retten, das kino retten, die welt…



