Blog:
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Notiz zu Bring Me the Head of Alfredo Garcia von Sam Peckinpah
Du mochtest immer den Staub und die Fliegen, die aus dem goldenen Schnitt fallenden Körper, den unerträglichen Speichel, der sich zwischen deinen Lippen gesammelt hat bis du ihn mit einem Schluck Brandy in den Rachen befördert hast. Zumindest dachtest du das. Du hast dich gefragt, welche moralischen Vorstellungen sich am…
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Der beinahe ruhige Abend des Hernández Hernández in Madrid
Alejandro José Hernández Hernández, geboren 1982 auf Lanzarote, zu einer Zeit, in der dort 61000 Seelen lebten (heute gibt es 71000 Touristenbetten) verbrachte, wie man so sagt unter Fußballkommentatoren, einen ruhigen, beinahe quälenden Abend im Estadio Alfredo Di Stéfano im Viertel Valdebebas im Nordosten der spanischen Hauptstadt Madrid in der…
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Notiz zu A proposal to project in scope von Viktoria Schmid
(Vorausgestellt sei, dass ich die Filmemacherin persönlich kenne und den Film paradoxerweise an einem Bildschirm gesehen habe. Letzteres provoziert doch manch grundlegende Frage wie zum Beispiel: Was macht man, wenn man Leinwände auf Bildschirmen sieht?) All die Leinwände, die irgendwo stehen und verrotten, auf die Schatten fallen von Ästen und Wolken.…
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Notiz zu den Trinkern im Kino
Die Geschichte des Kinos ist auch eine Geschichte der Trinker (vor und hinter der Kamera). Alkoholisierte, durch die Welt torkelnde Trunkenbolde sehen in Filmen oft zu gut aus. Sie lallen, aber man versteht sie trotzdem. Sie stinken nicht. Sie schlagen Frauen, aber die Kamera interessiert sich für ihre Zerbrechlichkeit, kaum…
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Please don’t keeks me anymore: That Uncertain Feeling von Ernst Lubitsch
Das Genre der Ehekomödie ist längst ausgestorben, weil die Welt zu absurd ist, um nur über das zu lachen, was man kennt. In That Uncertain Feeling, einem gemeinhin als minder angesehenen, aber so gar nicht minderen Film von Lubitsch dreht sich alles um eine Ehefrau, die an chronischem Schluckauf leidet,…
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Notiz zu Da 5 Bloods von Spike Lee
Spike Lee interessiert sich für Überfrachtung als System, seine Bilder oszillieren zwischen Unsauberkeit und tonalen Verfremdungseffekten; sein Anliegen: das Neu-Schreiben oder Anders-Schreiben einer Geschichte, die auch eine Filmgeschichte ist und zwar mit den Mitteln des Populärdiskurses, schrill und unzusammenhängend, Ambivalenz nur als Gegenüber unterschiedlicher Emotionen verstehend, kaum als Gleichzeitigkeit dieser…
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Notiz zu Alec Soth
Eine große, blecherne Leere bevölkert von Menschen, die nach Freiheit oder Liebe suchen. Derart blickt Alec Soth auf die USA, die er mit seinen Fotos abmisst; seine Vermessung folgt Sammel- und Reiseimpulsen: verlorene Gestalten, Sexarbeiterinnen, der Mississippi, Aussteiger, abgelegene Schlafplätze, Möchtegern-Cowboys, bärtige Männer im Schilf. Er bewegt sich am Wegesrand,…
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Wie ich ein Werbe-Maskottchen für Aloe-Vera-Gesichtsmasken wurde
Vor einem Monat muss es gewesen sein, da habe ich das mit meiner Maske vermasselt. Ich vermisse schon seit längerem Massen, also besuchte ich eine Verkleidungs-Messe in Maskat und maskierte mich als Maskenloser, ging also nur mit meinem Gesicht voran in maßloser oder zumindest anmaßender Attitüde durch die Stadt ehe…
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Notiz zu Touki bouki von Djibril Diop Mambéty
Das Vieh und sein Leid haben schon oft als Metapher für die Unfreiheit der Menschen gedient. Rinder bieten sich dabei besonders an, weil sie (im Gegensatz zu Schafen oder Ziegen zum Beispiel) in die Kamera schauen. In Touki bouki gibt es solche Risse in der vierten Wand freilich nicht, aber…



