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  • Notiz zu labilen Bildern: Marcel Hanoun & Catherine Binet

    Es gibt Bil­der in Mar­cel Hanouns Le Prin­temps, die so flüch­tig mon­tiert sind, dass man ihr Sicht­bar­wer­den nicht ver­steht. Zum Bei­spiel, wenn Mäd­chen auf dem Schul­hof einen Rei­gen tan­zen und sich ein­zel­ne Gesich­ter ins Bild drän­gen, die­sel­ben, die von den Wor­ten des Dorf­pfar­rers und vom Licht des Kinos gebannt wer­den.…

  • Taubenblicke IX

    Der Sper­ling sitzt auf einer Bank in der über­füll­ten, sti­cki­gen, grau­häss­li­chen War­te­hal­le des Gra­zer Haupt­bahn­hofs, als war­te er, die Geduld ver­kör­pernd, auf sei­nen Zug, ohne die übli­chen Kopf­be­we­gun­gen, ohne einen Laut von sich zu geben, ohne Blick für die eilen­den Rei­sen­den (die ihm eben­falls kei­ne Auf­merk­sam­keit schen­ken), son­dern völ­lig still,…

  • Schneekino

    Hät­te nichts dage­gen, wären alle Fil­me im Schnee gedreht. So könn­te ich die Bewe­gun­gen der Men­schen bes­ser sehen, denn sie wären schwer­fäl­li­ger, bedach­ter. Die Flüch­tig­keit läge unter einer Decke, sie könn­te nicht flie­hen, wie sie es sonst so ger­ne tut. Licht brä­che dif­fus, es wür­de in alle Rich­tun­gen über die…

  • Love Conquers All (cine amandi II)

    „Lie­be ist die gehei­me Macht, die unser Leben beherrscht“ schrei­ben Bar­ba­ra Küh­ler und Ste­fan Beher in ihrem Sam­mel­band zur Sozio­lo­gie der Lie­be, den ich mir aus­ge­borgt habe, um mich die­ser omni­prä­sen­ten Idee ratio­nal zu nähern. Wenn die Lie­be die Herr­sche­rin der Welt sein soll, kann ich ange­sichts dem Gel­tungs­stre­ben der…

  • Notiz zu Three on a Couch von Jerry Lewis

    Eine drei- bis vier­tei­li­ge Ver­suchs­an­ord­nung, die bewei­sen möch­te, dass a: nüch­ter­nes Ver­hal­ten in Fra­gen der Zwi­schen­mensch­lich­keit kei­nen Erfolg hat (nicht nur im Sinn einer Gefühls­be­zo­gen­heit, son­dern auch weil das Kin­di­sche, Alber­ne sich durch­setzt, um Lie­be zu ermöglichen) b: das „wah­re Ich“ sich nicht zei­gen kann, wenn es mit dem Rücken zur…

  • Diagonale Podcasts

    Anfang April waren wir bei der Dia­go­na­le in Graz zu Gast. Dort lei­te­ten Bian­ca Jas­mi­na Rauch und Patrick Holz­ap­fel unter kom­pe­ten­ter Mit­hil­fe von Lucas Bar­wen­c­zik einen Film­kri­tik-Work­shop. Die Teil­neh­men­den nah­men wäh­rend des Fes­ti­vals sechs Pod­casts auf. Fol­ge 1: Moritz Stock und Camil­le Cha­nel über Favo­ri­ten von Ruth Beckermann Fol­ge 2: Camil­le…

  • Beleuchtungsanlagen (Etalagen IV)

    Die haus­lan­ge Glas­front hat etwas von ihrem Glanz ein­ge­büßt, ihre Schei­ben sind stumpf gewor­den, die Rah­mung hat ihre Form ver­lo­ren. Der Regen hat Blü­ten­staub und Abga­se ver­mischt, sei­ne Spu­ren umschmei­cheln die Aus­la­ge mil­de. Es han­delt sich um zwei gro­ße Flä­chen, die sich in meh­re­re zurück­ge­setz­te Kom­par­ti­men­te auf­tei­len. Man könn­te glau­ben,…

  • Von Taten sprechen, berichten, zitieren

    Text: Hans Bonhage Zwei Män­ner, einer etwas jün­ger, der ande­re etwas älter, einer in dunk­lem Blau, der ande­re in hel­lem Beige geklei­det, sit­zen in sechs sta­ti­schen Ein­stel­lun­gen jeweils abwech­selnd an einem drei­bei­ni­gen, schwarz spie­geln­den Tisch in einem offe­nen Raum. Sie erzäh­len in lan­gen Mono­lo­gen von gewalt­vol­len, bru­ta­len Taten, die sie…

  • Der unsichtbare Dritte

    Text: Sebas­ti­an Bobik Schuss-Gegen­schuss ist eines der klas­si­schen Mit­tel kon­ven­tio­nel­ler Film­spra­che. Wenn wir im Kino Dia­log­sze­nen sehen, wer­den die­se fast aus­nahms­los so gefilmt: Zwei Men­schen ste­hen oder sit­zen sich gegen­über und sehen ein­an­der an. Das wird oft in einer tota­len Ein­stel­lung eta­bliert, in der wir bei­de Gesprächs­teil­neh­mer im sel­ben Raum sehen.…

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